Florian Dombois
INVERSE
Ein neuer Brauch für Dresden

 

Jedes Jahr zur namenlosen Stunde,
wenn die Sommer- auf die Winterzeit umgestellt wird,
erklingt im Dresdner Zwinger das Glockenspiel
und eröffnet die Zeit.

 


Foto: Daniela Friebel, 30.10.2016

 

Sonntag, 28.10.2018, 3:00–3:00 Uhr früh
Vor dem Glockenspiel im Dresdner Zwinger
Eingeladener Komponist: Didier Rotella (Paris)

 

Was wäre, wenn die Zeit rückwärts laufen würde? Gibt es alternative Zeitverständnisse jenseits der technisch-gezählten und unaufhaltsam fortschreitenden Zeit? Einmal im Jahr werden die Uhren angehalten, wird der Pulsschlag unserer Sekundenzeiger unterbrochen: dann, wenn die Uhren von der Sommer- zurück auf die Winterzeit gestellt werden. Diese namenlose Stunde in der Nacht um 3 h früh oder spät, je nach persönlicher Perspektive, diese Stunde ohne Zeiger, diese Stunde, die wir seit dem Frühling aufgespart haben: steht uns zur Verfügung.

Florian Dombois markiert diesen Unterbruch der Zeit für alle Dresdner mit einer Kunstaktion. In der Nacht wird der Zwinger für jeden offen sein. Das Glockenspiel wird gemäß der technischen Zeit läuten und dann zur Eröffnung der fraglichen Stunde spielen die Porzellanglocken aus Meissen eine zeitgenössische Komposition, um uns anschliessend in die Stille der namenlosen Zeit zu übergeben. Ein Moment der Besinnung. Ein kollektiver Moment der individuellen Zeiterfahrung. Oder mit Napoléon Bonaparte: "Le vrai courage, c'est celui de trois heures du matin." (Der wahre Mut ist der um drei Uhr morgens.) Ein Riss in der Wirklichkeit...

 

Jedes Jahr lässt Florian Dombois ein Stück Neuer Musik komponieren von einer jungen Komponistin oder einem Komponisten aus einem europäischen Nachbarland, das von dem Instrumentalisten und Komponisten Richard Röbel (*1988 in Karl-Marx-Stadt) zur Eröffnung der Stunde live aufgeführt wird. Dazu kooperiert er mit Kompositionsprofessor*innen aus ganz Europa, die eine*n ihrer Abgänger*innen vermitteln.
Eingeladene Komponist*innen der Vorjahre: Saskia Bladt, Bregenz (30.10.2016) und Alexey Retinsky, Wien (29.10.2017). Unterstützung: Prof. Isabel Mundry, Zürich (2016), Prof. Beat Furrer, Graz (2017) und Prof. Frédéric Durieux, Paris (2018)

Weitere Daten: 27.10.2019, 25.10.2020

Für Informationen zur (Un)Vorstellbarkeit rückwärtslaufender Zeit vergleiche auch das Projekt Inverse (2015) von Florian Dombois.

 

Das Projekt wird gefördert von der Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden und findet in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem Schlösserland Sachsen – Staatliche Burgen, Schlösser und Gärten Sachsen gGmbH und dem Amt für Kultur und Denkmalschutz statt.

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