Florian Dombois
INVERSE
Ein neuer Brauch für Dresden

 

 

Alle Uhren im öffentlichen Raum stehen still. Alle. 

Für eine Stunde. Einmal im Jahr. Jedes Jahr. 

Dann, wenn Ende Oktober die Sommer- auf die Winterzeit umgestellt wird. Diese Stunde um drei Uhr in der Nacht kann Kunst sein. Jedes Jahr wieder. Jedes Jahr ein Riss in der Wirklichkeit, der Ihnen offen steht. 

 

 

 

 


Foto: Daniela Friebel, 30.10.2016

Das Ritual der INVERSE wurde für die Stadt Dresden entwickelt und fünf Jahre lang 2016–2020 im Zwinger begangen, einem Hof umfriedet von barocken Festbauten, ausgegrenzt vom alltäglichen, städtischen Raum, an dem viele Jahre der Referenzpunkt sächsischer Zeitmessung lag. Hier versammelten sich mitten in der Nacht und von Lichtern umringt die Bürgerinnen und Bürger vor dem legendären Glockenspiel aus Meissener Porzellan. Ein fünfzehnminütiger Countdown kündigte die Stunde ohne Namen an. Dann stoppten die Zeiger, und es begann die Uraufführung einer Auftragskomposition:

Saskia Bladt: Widmung. Gespielt von Richard Röbel am 30.10.   2016 
Alexey Retinsky: Ohne Titel. Gespielt von Richard Röbel am 29.10.   2017 
Didier Rotella: Heart Mechanics. Gespielt von Richard Röbel am 28.10.   2018 
Olga Bochikhina: Listen. Gespielt von Richard Röbel am 27.10.   2019 
Christoph Israel und Meret Becker: Variation über Wenn ich mir was wünschen dürfte* (25.10.   2020) 

Alle Soundtracks sind als Schallplatte erhältlich beim Berliner Kunstbuchverlag The Green Box. 

Dank an die Künstlerkolleg*innen für ihre Beiträge und die inspirierte Zusammenarbeit! *Und Friedrich Holländer. Gefunden haben wir uns dank der Unterstützung und Vermittlung von Prof. Isabel Mundry, Zürich/München (2016), Prof. Beat Furrer, Graz (2017), Prof. Frédéric Durieux, Paris (2018), Prof. Vladimir Tarnopolski, Moskau (2019) und Max Raabe, Berlin (2020).
Den Zwinger mitten in der Nacht zu öffnen und zum Leuchten zu bringen, ist nur mithilfe vieler Menschen möglich: Ein besonderer Dank geht an Dr. Julia Weber, Direktorin der Porzellansammlung, und Dr. Peter Plaßmeyer, Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons für ihre tatkräftige Unterstützung und Mithilfe bei der Realisierung. Martina Miesler war die erste, die dem Projekt in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Rückenwind gab, Danke. Die Hilfe der SKD, insbesondere von Stephan Adam, Valérie Eckl, Michael John, Wenke Ladewig war unentbehrlich, ebenso wie die des Schlösserlands Sachsen, insbesondere Christine Schiebold und Solveig Siegert und ihren nächtlichen Aufsichten. Der Firma Glocken & Turmuhren in Kölleda gilt ein herzlicher Dank für die technische Unterstützung, insbesondere Christian Garamvölgyi und Christian Beck, sowie Prof. Günter Schwarze für seine Einführung am Instrument. Von den vielen Personen, die das Projekt mit ihrem Enthusiasmus belebt und artikuliert haben (und immer wieder auch die dringende, helfende Hand boten) seien hier wenigstens Ramona Eichler, Daniela Friebel, Isabelle Krieg, Katja Leiskau, Ulrike Mohr genannt. Letztere mit ihren Studierenden der Kunsthochschule Weissensee, wow! Und Prof. Olaf Lauströer. Er hat alles begleitet: von der ersten Idee bis hin zu dieser vorliegenden Publikation. Danke!
Das Projekt und die vorliegende Publikation wurde auf Empfehlung der Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum von der Landeshauptstadt Dresden gefördert.

 

Florian Dombois

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